Aktuell
WAGEMUT leistete 2011 mehr Beratungen als je zuvor
Die spezialisierte pro familia-Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen, WAGEMUT in Flensburg, hat den Jahresbericht 2011 vorgelegt.
Der von der Bundesregierung einberufene Runde Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ hat auch in die Arbeit von WAGEMUT hineingewirkt. Es gab Informationsbedarf zu Arbeitsinhalten und Forderungen des Runden Tisches. Es wurden Informationsveranstaltungen speziell auch zum Themenbereich „Missbrauch in Institutionen“ angefragt.
Erstmals seit Bestehen der Beratungsstelle stieg die Zahl der Beratungen auf über 400. Das Team wurde in 107 Fällen tätig. Es hat insgesamt 160 Personen aus Flensburg und dem Umland in 408 Gesprächen (2010: 376) beraten.
Besonders die Anzahl der Gespräche mit den Betroffenen selbst nahm zu: 215 Beratungen mit 40 von sexueller Gewalt Betroffenen (2010: 151 Gespräche mit 50 Betroffenen). Wie in den Vorjahren konnten fast nur betroffene Mädchen, die meisten im Alter von 14 – 18 Jahren mit dem Beratungsangebot erreicht werden. "Für Jungen ist die Hemmschwelle, den Missbrauch offen zu legen, deutlich höher als für Mädchen", berichtet Sabine Schmitdt. In der Mehrzahl waren es Eltern (42 Mütter, 13 Väter), die das Team in der Marienstraße 31 um Rat baten.
"Wir zeigen unbürokratisch und kurzfristig mögliche Hilfen auf, begleiten und koordinieren", erklärt das Team, Dipl. Pädagogin Sabine Schmidt und ihre Kollegin, Dipl. Pädagogin Marlena Beckmann. "An erster Stelle steht der Schutz vor weiteren Übergriffen. Dann werden therapeutische, medizinische oder rechtliche Hilfen, Strafanzeige, Folgen und Verarbeitung des Missbrauchs besprochen."
Täter kommen meistens aus dem vertrauten Umfeld
Bei den Tätern – vorwiegend Männer - handelte es sich zu 99 Prozent um Personen aus dem familiären und sozialen Umfeld. "Eine Tatsache, die sich trotz der öffentlichen Diskussion über sexuellen Missbrauch in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich häufig nicht in dem Wissen von Eltern widerspiegelt und dementsprechend auch nicht in die Erziehung einfließt. Viele Kinder werden nach wie vor ausschließlich vor dem „Fremden“ gewarnt", berichtet Sabine Schmidt, Leiterin von WAGEMUT in Flensburg.
Zeugenbegleitung
Das schleswig-holsteinische Zeugenbegleitprogramm des Justizministeriums sieht für Opfer sexueller oder häuslicher Gewalt, die als Zeugen vor Gericht aussagen müssen, professionelle Begleitung vor. Im Landgerichtsbezirk Flensburg ist WAGEMUT dafür zuständig. 2011 wurden in 25 Fällen insgesamt 13 Erwachsene und 14 Mädchen und 2 Jungen im Alter von 9 bis 17 Jahren unterstützt und begleitet.
Information und Fortbildung
2011 wurden in 25 Veranstaltungen 490 Personen (Vorjahr 340) erreicht. "Wir möchten Menschen sensibilisieren, Anzeichen sexueller Gewalt wahrzunehmen, sie ermutigen, ihre Interventionsmöglichkeiten zu nutzen und Mädchen und Jungen so vor (weiteren) sexuellen Übergriffen zu schützen. Es ist uns ein Anliegen, dass Eltern und PädagogInnen die Prävention sexueller Gewalt in ihren Erziehungsalltag integrieren", betont Sabine Schmidt.
Neues Präventionsprojekt
Der Aktionsplan 2011 der Bundesregierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gegen sexuelle Gewalt und Ausbeutung nennt Prävention und Intervention als wesentliche Ansätze. Prävention von sexueller Gewalt ist ein wesentliches Ziel unserer Angebote. Konzeptionell erarbeitet wurde 2011 ein Präventionsprojekt für Grundschulen „ZIGGY zeigt Zähne“, das 2012 erstmals in einem Pilotprojekt umgesetzt werden soll.
Gruppenangebot
Zum Angebot von WAGEMUT gehören außerdem eine regelmäßige Gruppe für Kinder, die häusliche Gewalt erlebt haben, und Präventionsprojekte, z.B. eine Selbstbehauptungsgruppe für Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren.
Spenden ermöglichen das Angebot
"Diese wichtige Arbeit der Prävention und Hilfe für die Opfer kann nur aufrechterhalten werden durch Spenden, Bußgelder und Aktionen wie "Pfandtastisch helfen!", die Pfandspendenaktion in Edeka-Märkten, und vor allem "Kinder zeigen Zähne", die Zahngoldspendenaktion in Zahnarztpraxen", betont Reiner Johannsen, Geschäftsführer von pro familia Schleswig-Holstein. "Leider wurde die öffentliche Förderung von bisher 50 Prozent bereits gekürzt. Wir brauchen Unterstützung und privates Engagement, damit wir helfen können."
Den ausführlichen Jahresbericht als pdf: jahresbericht.pdf
Weitere Informationen
WAGEMUT, pro familia-Beratungsstellegegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen
Marienstr. 29-31, 24937 Flensburg
Tel. 04 61 – 90 92 630 Fax 04 61 – 90 92 649
wagemut.de
info@wagemut.de
pro familia Schleswig-Holstein
Marienstr. 29-31, 24937 Flensburg
Tel. 04 61 – 90 92 620 - Fax 04 61 – 90 92 649
info@profamilia-sh.de




